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Mitfahrt im GT3R auf der Nordschleife
Was für ein Auto..... Da steht er nun in seiner kompletten Kriegsbemalung, mit seinen riesigen Spoilern, seinen superbreiten Slicks und der riesigen Flosse auf der Motorhaube. Ja, ein Porschefan und -fahrer bin ich schon lange, aber das ich mal die Gelegenheit bekommen würde, auf dem Beifahrersitz eines solchen Autos die legendäre grüne Hölle zu bezwingen, bringt mich schon ins Schwärmen.
Aber mal der Reihe nach ich sehe meine Frau an meinem Geburtstag noch wie heute mit dem vor mir stehen und sagen: Das Geschenk wirst Du bestimmt genießen - hoffe ich für Dich. Etwas irritiert öffnete ich damals den Umschlag und ein kleiner Zettel fiel heraus. Darauf stand Gutschein für eine Mitfahrt auf der legendären Nürburgring-Nordschleife in einem Porsche 996 GT3 R im Rahmen des freien Trainings zum Langstreckenpokal.
Naja, die Nordschleife ist für mich nicht unbekannt, denn einige Runden habe ich in der Eifel mit meinem Porsche 993 Targa auch schon gedreht. Ist eine wunderschöne Rennstrecke, die süchtig macht aber an die Grenzen bin ich sicherlich nie gestoßen, vielleicht eher an meine.
Nun stehe ich hier in den geräumigen Boxen, schaue den Mechanikern bei der Routinearbeit zu und sehe mir interessiert die Technik an. Ein Mitarbeiter des Rennteams spricht mich freundlich an und bittet mich, im Renntransporter die passende Ausrüstung zu probieren und die Verzichtserklärung auszufüllen. Kaum fünf Minuten später stehe ich in kompletter feuerfester Rennmontur und passendem Helm wieder in der Box. Mittlerweile läuft der Motor schon warm und die letzten Handgriffe am Fahrzeug sind erledigt. Hinter der Box stehen noch zwei weitere Herren, die leicht nervös an ihren Zigaretten ziehen wohl auch Mitfahrer.
Als ich gerade dorthin gehen will, kommt ein sportlicher Typ auf mich zu und steckt seine Hand aus. Mit festem Händedruck stellt er sich als Fahrer vor und erklärt mir kurz Technik und Verhalten. Fasziniert von den extrem leichten Türen, den Plastikscheiben, dem Renntank und der automatischen Feuerlöschanlage lass ich mir alles erklären. Im Innenraum wirkt der Wagen sehr aufgeräumt, außer den beiden Schalensitzen und einigen Rohren des verschweißten Käfigs fällt mir nur der elektronische Drehzahlmesser mit all seinen Sonderfunktionen auf. Schnell erklärt mir der Fahrer, dass ich mit diesem Stack sämtliche relevante Motor- und Zeitdaten abrufen kann.
Bei jeder Runde übermittelt ein kleiner Taktgeber an Start- und Ziel die genaue Rundenzeit und die gefahrenen Runden, was speziell bei Langstreckenrennen für Tankstrategien wichtig ist. Am abnehmbaren Lenkrad befindet sich nur ein grüner Knopf zur Aktivierung des Sprechfunks. Auf dem Armaturenbrett fällt mir neben diversen Schaltern für Licht und Feuerlöscher nur ein kleiner Schalter mit der Beschriftung Pump auf. Der Rennwagen hat zwei Benzinpumpen an Bord, bei Störungen kann durch Knopfdruck sofort die Reservepumpe zugeschaltet werden.
Aufgeschreckt von dem Lärm einiger Rennmotoren erklärt der Teammanager mir noch einige Spielregeln für den Turn, während der Porsche auf eine Einführungsrunde geht. Hände immer zwischen die Beine pressen, Sicherheitsgurte werden ganz fest gezurrt, sollte es zu schnell gehen, dem Fahrer sofort Handzeichen geben und nicht auf die Schläuche der Feuerlöschanlage treten, wenn ich die Runde nicht als Schneemann beenden wolle sehr witzig!
Mit Karacho kommt der GT3 R in die Boxen geschossen, die Beifahrertüre wird geöffnet und ich darf Platz nehmen. Die Mechaniker legen mir den Sechs-Punkt-Gurt an und zurren ihn extrem fest spinnen die! Ich bekomme kaum noch Luft, aber der Typ mit den breiten Schultern zieht die Gurte nochmals fester und erzählt etwas von Sicherheit und Bremskräften. Ich fahr selber Porsche und weiß, wie die Bremsen zupacken (was sich übrigens als Irrtum herausstellt). Und ab geht die Post!
Nach Verlassen der Boxenstraße beschleunigt der Porsche atemberaubend auf die Vedol-Schikane zu; hatte er nicht von 430 PS gesprochen? Das waren doch mindestens 600, so brutal beschleunigt doch nur ein Flugzeug. Und warum bremst der nicht? Niemals bekommen wir diese verteufelte Kurve nach Start und Ziel in die Mercedes-Arena. Ohne einen Schlenker zieht der GT3 durch die Mercedes Arena auf die Kurzanbindung zu, Armin, so heißt der Fahrer, bremst hart an und lenkt dann rechts ein. Vor der RTL-Kurve einen Gang runter, dann die ganze Fahrbahn ausnutzen, um genug Drehzahl für den Hatzenbachbogen mitzunehmen. Mein Gott, was ist das für ein toller Sound; mit Vollgas geht es auf das Castrol-S zu, um dann wieder voll in die Eisen zu steigen. Das macht ja Spaß, jetzt wo mir diese Gedanken durch den Kopf schießen fällt mir ein, dass es ja jetzt auf die Nordschleife geht.
Fährt er etwa mit dieser Waffe auch voll durch die grüne Hölle? Ja, das tut er!!! Mit Vollgas rast er auf die Einfahrt Hatzenbach zu, ich glaube, ich habe schon fast das ganze Bodenblech durchgetreten. Links-rechts-links-rechts geht es durch das Kurvengeschlängel, um dann die letzte Linkskurve optimal zu treffen. Vor uns taucht ein Astra auf, behindert uns leicht, bevor wir ihn kurz vor dem Flughafen links überholen. Über die Kuppe kurz vom Gas und dann voll durch die Doppelrechts Richtung Schwedenkreuz.
Vor uns prügelt sich eine Gruppe kleinerer Fahrzeuge, wer als erster in die Arembergkurve einbiegen soll, Armin bleibt voll auf dem Gas, bremst in letzter Sekunde und sticht zwischen den Autos in die Fuchsröhre ein mir wird heiß und kalt; ich habe noch nie solche Bremsen erlebt.
Aber jetzt folgt der Hammer, Armin reißt die Gänge voll durch und geht voll durch die Senke, die links abgeht. Mein Helm knallt gegen den Sitz, mir wird durch den Druck kurz schwarz vor Augen. Was mach ich bloß hier? Niemals hätte ich erwartet, dass wir hier auch an die körperlichen Grenzen gehen.
Mein Blick nach links zeigt einen hochkonzentrierten Fahrer auf dem Weg zum Adenauer Forst. Kurz hart gebremst gehen wir in für mich völlig ungewohnter Linie durch das Geschlängel und dann nach ein paar heftigen Kurven den ganzen Weg runter bis zum tiefsten Punkt, der Brücke von Breidscheid. So langsam zweifele ich daran, jemals ein guter Autofahrer gewesen zu sein.
Kurz noch rechts und links an ein paar Rennkollegen vorbei zeigt mir Armin die Stelle, an der Nicki Lauda fast zu Tode kam. Nur viel langsamer sind wir auch nicht unterwegs hatte man nicht die Formel 1 hier verboten, weil die Fahrzeuge zu schnell für die Nordschleife geworden waren? Und der hat noch Zeit, mit mir zu reden....
So langsam weicht die Angst und ich beginne die Runde zu genießen. Wie der Wagen die Steigung bis zum Karussell nimmt, ist schon beindruckend. Einige Kurven sind mir bei meinen Runden gar nicht aufgefallen. Kurz vor dem Karussell jagt Armin den 3. Gang noch bis 8200 Touren hoch und springt unsanft in die Betonsteilkurve. Die Ausfahrt zeigt ein Baum an, wir jagen hoch zum höchsten Punkt des Nürburgrings, um nach einem Kurvenlabyrinth voll über die Randsteine zu räubern und dann ins Brünnchen einzubiegen.
Oh, hier hat es aber einen Honda erwischt; auf der Jagd nach einer schnellen Runde wohl ein bisschen zu schnell eingebogen und in die Planken gedonnert. Der unverletzte Fahrer wird morgen im Rennen eine Menge Zeit haben, hier die Linie der anderen zu studieren.
So langsam gehen wir in das letzte Stück, hinein in den Pflanzgarten und wieder hinaus. Richtig relaxt sitze ich im Rennsitz, als wir am Sprunghügel voll abheben und leicht versetzt und mächtig wackelnd aufsetzen. Mensch, jetzt habe ich es doch fast geschafft. Auf der Döttinger Höhe geht es noch einmal in den sechsten und mit locker 280 Sachen donnern wir über die Bodenwellen in den Tiergarten. Ein letztes Mal schießt mir das Adrenalin in den Körper und dann biegen wir auch schon wieder in die Boxengasse ein. Jetzt sehe ich zum ersten Mal das leichte Grinsen in Armins Gesicht. Er hat meine Angst so richtig genossen. Aber es war superklasse!
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