Erfahrungsberichte mit Autogasumrüstung
Vor nunmehr 3 Monaten habe ich mein Fahrzeug mit einer Autogasanlage aufgewertet. Um es vorab zu sagen: Ich habe es noch keine Sekunde bereut und bin immer noch begeistert von dieser einzigartigen Möglichkeit preiswert und umweltbewusst vorwärtszukommen.
Nachfolgend meine Erfahrungen von der Entscheidungsfindung bis zum Fazit:
1. Gründe für die Umrüstung
2. Die Entscheidung
3. Die Umüstung
4. Erste Erfahrungen
5. Fazit
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1. Gründe für die Umrüstung
Anfang des Jahres musste ich meinen Dienstwagen (BMW Dieseler) zurückgeben. Da wir mittlerweile mehr Platz benötigen (2 Kids) und ein neuer Dienstwagen derzeit nicht in Frage kommt, mussten wir uns einen eigenen Wagen kaufen. Es sollte mal was anderes werden, als der in Familienkreisen beliebte Pampers Bomber (Zafira und Co.) oder 0815 Kombi (Passat, Omega, Focus, ...). Sicher sind das alles gute Autos, aber wir wollten uns diesmal was gönnen, was Spass macht und nicht jeder fährt. Also sollte es ein SUV werden, was neben dem Spassfaktor aber auch noch viel Platz bietet, preiswert in Steuer und Versicherung ist, wenig verbraucht und halbwegs komfortabel über die Autobahn gleitet. Ach ja, und darf auch das Budget von 14.000 Euro nicht übersteigen.
Oha, das sind ja gleich 5-6 Wünsche auf einmal ... Schwierig. So nen Wagen gibt's nicht :-(((((
Und ich sage mir, den gibt es doch
Knackpunkt ist die Wahl des Kraftstoffs!
DIESEL:
Vorteile: Preiswert in den Spritkosten, Hohe Reichweite
Nachteile: Teuer in der Fahrzeuganschaffung, teuer bei der Steuer, meist teurer in der Versicherung (als ein gleicher Benziner), fährt meist unkultivierter, und was man so hört, gehen die mordernen Turbodiesel gerne schneller kaputt (dank der hochgezüchteten Technik).
BENZIN:
Vorteile: Preiswert in Anschaffung, Versicherung und Steuer.
Nachteile: Verbrauch und die Spritpreise machen jede Fahrt zum ungewollten Stressfaktor. Ausserdem fahre ich 15-20 tkm im Jahr.
Ich stelle fest: Beide Kraftstoffe sagen mir nicht zu. Ich will "best of both".
Bei meinen Recherchen im Internet, diversen Gesprächen mit Autoverkäufern (:-() und einigen Fachleuten legte mir jemand das Thema Autogas (=Flüssiggas, = LPG) ans Herz. Neugierig geworden habe ich in dieser Richtung mal weiter geforscht. Ich erinnerte mich noch gut daran, dass ich vor 10 Jahren mal bei einem Holländer in einem LPG Fahrzeug mitgefahren bin. War irgendwie abschreckend der riesige Tank im Kofferraum. Beeindruckend war damals aber schon die super ruhige Fahrweise und die extrem niedrigen Kosten. Nicht umsonst schwören Holländer und Italiener schon seit langem auf diesen Kraftstoff.
Nun, an der Technik hat sich seitdem einiges getan. Die modernen Anlagen sind computergesteuert und auf die modernen Motoren abgestimmt (Einspritztechnik). Die Tanks verschwinden unsichtbar in der Radmulde des Kofferraums und die Preise für Flüssiggas sind einfach zu verlockend (ich wohne direkt an der Grenze zu Belgien und Holland, Belgien momentan 0,29 Cent pro Liter, freu :-))))
Autogas ist im europäischen Ausland seit Jahren ein "normaler" Kraftstoff, Deutschland fährt hier leider mal wieder einen "Sonderweg", indem hier hauptsächlich Erdgasfahrzeuge angeboten (promoted) werden. Ich will die Technik hier nicht näher vergleichen, das haben andere bereits hinreichend getan. Also bitte nicht Erdgas und Autogas verwechseln. Erdgas mag geringfühiger umweltschonender bei den CO2 Emissionen sein, bei allen anderen Daten konnte ich keine Vorteile für Erdgas entdecken (Sehr teure Umrüstung, riesiger Tank, geringe Reichweite, wenig Tankstellen in Deutschland, fast keine Tankstellen im Ausland, langer Tankvorgang, hoher Leistungsverlust). All diese Nachteile hat ein Flüssiggas Wagen nicht.
Auf jeden Fall gibt es in unserer Nähe einige Betriebe, die bestehende Fahrzeuge mit einer Gasanlage nachträglich ausrüsten.
Die Entscheidungsfindung war damit beendet. Es wird kein Dieseler, sondern ein Benziner, der nachträglich eine Gasanlage erhalten soll. Punkt!
Wir haben uns dann kurzfristig einen Ford Maverick 2.0 XLT als Gebrauchtwagen mit Garantie gekauft. Der hat große Räder (das bedeutet: Ein großes Ersatzrad mit Raum für einen großen Tank :-)
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2. Die Entscheidung
Die Entscheidung FÜR Autogas und GEGEN Erdgas hatte viele Gründe:
a) Reichweite und Tankvolumen: In unseren Maverick passt ein 95 Liter Muldentank rein. Das sollte für viele hundert Kilometer Reichweite genügen (In viele andere Fahrzeuge geht nur ein 55 Liter Tank rein) Bei Erdgas wäre der Tank deutlich größer ausgefallen und schwerer. Trotzdem wäre die Reichweite geringer gewesen (max. 200-300 km).
b) Preis: Bis zur nächsten Tanke in Belgien sind es 4 km. LPG dort ca. 30 Cent/l. Muss ich wohl nicht mehr viel dazu sagen :-))))
c) Tankstellennetz: In Deutschland sind LPG und CNG ungefähr gleich verteilt. Fahre ich ins europäische Ausland ist LPG dort fast überall ein Standardkraftstoff, Erdgas ist dort in der Regel nicht oder nur selten zu finden. Da wir gerne in den Süden fahren, ist CNG kein Thema mehr.
d) Leistung und Laufruhe: Ich bin mal in einem Fiat Multipla Bipower mit Erdgas gefahren. Das hat mir gereicht. Im Erdgasbetrieb ging da die Leistung des Motors dermassen in die Knie, dass man an Steigungen schnell zum Hindernis wurde. Nicht so mit LPG. Rein subjektiv spürt man den (rechnerisch vorhandenen) Verlust von 2-3% Leistung nicht. Im Gegenteil. Die Laufruhe des Motors ist einfach phänomenal.
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3. Die Umrüstung
Es gibt in Holland einige Betriebe, die Umüstungen mit modernen Multipoint Anlagen schon für knapp 2000 Euro anbieten. Das klingt verlockend, hat aber für mich den Nachteil, dass man ne Ecke fahren muss. Und wenn es dann mal Probleme geben sollte, ... na ja, ich wollte also lieber einen Händler in der Nähe haben und bin dann auf einen kleinen Subaru Händler in Stolberg (Autohaus Ketteniss) gestoßen. Ein kleiner Familienbetrieb wo der Kunde noch König ist. Ich erhielt eine ausführlichste, mehrstündige und unverbindliche Beratung und durfte später einen Forester mit LPG ausgiebig Probe fahren. Der Preis für die Umrüstung liegt hier zwar ca. 500 Euro höher als in Holland, allerdings kriege ich hier eine bessere Anlage (Landirenzo Omegas), habe Support direkt vor Ort und muss mich um nichts formelles kümmern.
Am Tage der Umüstung bringe ich meinen Maverick um 8 Uhr dorthin, kriege kostenlos ein Leihfahrzeug (Golf 2 von 1984, Mann das weckt Erinnerungen ;-) und warte (es soll ja 4-5 Tage dauern).
Nach 2 Tagen kriege ich einen Anruf: Der Wagen ist fertig. Hola, das ging aber flott. Im Eiltempo fahre ich mit dem geliehenen Golf nach Stolberg.
Alles perfekt gelaufen. Im Motorraum sind ein paar Teile hinzugekommen, In der Reserveradmulde thront ein 95 Liter Tank und das Reserverad steht nun bei mir auf dem Speicher.
Ich bin hochzufrieden. Klasse Service. (Ich wünschte dass könnte man von anderen Autohäusern auch sagen).
Vergleicht man mal die Kosten für die Umrüstung (2600 Euro) mit den Erparnissen, kann man sich leicht errechnen, ab wann man in die Gewinnzone fährt. In meinem Beispiel ist die Rechnung so:
Verbrauch: Super: 11liter/100km, Gas: 12liter/100km
Kosten für Sprit: Super: 1,10, Gas: 0,30 (Hier bin ich natürlich im besonderen Vorteil, da ich in Belgien tanken fahre, Deutsche Tanker müssen hier ca. 0,45-0,65 Cent rechnen)
Fahrleistung pro Jahr: 20000 km
Macht für mich eine Erparnis von 1700 Euro pro Jahr!!!! D.h. meine Anschaffung hat sich nach gut 18 Monaten bereits amortisiert und ich bin in der Gewinnzone. Jemand der in Deutschland tankt braucht natürlich ein paar Monate länger (oder mehr km). In der Regel sollte die Anschaffung aber auch mit deutschen Gaspreisen nach 2 Jahren raus sein.
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4. Erste Erfahrungen
Es ist nichts ungewohnt. Ausser dass beim Anlassen des Fahrzeugs da so ne LED kurz blinkt. Das tut sie aber nur für ca. 100-200 Meter. Dann ist nämlich der Motor in Betriebstemperatur gekommen und schaltet automatisch in den Gasbetrieb um. Der Wagen schnurrt wie ein Kätzchen. Im Leerlauf ist er eigentlich nicht mehr zu hören (man hat manchmal das Gefühl er wäre ausgegangen, ist aber nicht so, er ist einfach super leise!). Anfahren, Beschleunigen, Überholen, Gleiten, alles wie im Benzinbetrieb, nur leiser und angenehmer (und natürlich viel, viel billiger)
Das erste Tanken:
Nun das war schon ungewohnt (Ich erinnerte mich daran als ich damals mit 18 Jahren und frisch erworbenem Führerschein meinen ersten Fiat Panda das erste Mal an die Zapfsäule fuhr). Man denkt erstmal: Oh je, jeder sieht jetzt dass ich ein LPG Newbie bin und das Ding nicht bedienen kann. Oh Gott und dann auch noch eine Riesenschlange vor der Tanke. Allerdings reiht sich die Schlange vornehmlich an den Super Zapfsäulen ein. Die LPG Zapfsäule steht einsam und so umfahre ich die Schlange mit einem Lächeln. Den Euro Anschluss angeschraubt, dann die Arretierung gezogen (braucht man schon etwas Kraft zu). Dann an die Zapfsäule und den roten Knopf drücken (und immer schön gedrückt halten). Die Liter rauschen nur so dahin. Währenddessen schaue ich mal an die Säule gegenüber. Da steht gerade einer mit einem Landrover und hat gerade vollgetankt (ich glaube es waren so 80 Euro). Mein Tankvorgang ist auch gerade fertig. Einmal volltanken für knapp 17 Euro. Das entspannt, ein Lächeln geht über mein Gesicht. Ich bezahle freudestrahlend mit Kreditkarte und fahre vom Hof. Der Tank ist voll. Was für ein Gefühl.
Ich fühle mich an vergangene (Jugend-)Zeiten erinnert, in denen man auch mal eine Autofahrt unternommen hat, die vielleicht nicht ganz so lebenswichtig war, aber es hat ja auch damals nicht so viel gekostet. Nun, das Gefühl hab ich jetzt auch wieder. Autofahren macht wieder Spaß. Jetzt schauen wir mal, wie der Verbrauch denn so liegt.
Der Verbrauch:
Nun, mein Maverick ist kein Lupo. Er wiegt deutlich mehr, hat viel mehr Platz, einen größeren Motor, mehr PS, allerdings auch deutlich mehr Spassfaktor, als die meisten Einheitsfahrzeuge. Mit Superbenzin tut er sich so gute 9-12 Liter/100 km rein. Das hängt natürlich von der Fahrweise und der Strecke ab. Bei vielen Stadtfahrten hielt der Benzintank vor der Umrüstung maximal für 300 km. Die erste LPG Tankfüllung hat hingegen schon für ca. 550km gereicht. Und das bei fast ausschließlich Kurzstreckenfahrten und mit belgischem Sprit. Es sei angemerkt, dass belgischer Sprit etwas höheren Verbrauch mit sich bringen soll, als der nach deutschem Reinheitsgebot. Ich kann das bisher noch nicht bestätigen, da ich in Deutschland noch kein LPG getankt habe. Ich mache hier mal ein Update meines Berichts, wenn's das erste Mal in Deutschland unterwegs geht. Egal wie ich den Wagen gefahren habe, der Verbrauch lag immer so bei 11-13 Liter auf 100km. Kostenpunkt also ca. 3,50 Euro für 100km Fahrt.
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5. Fazit
Zusammenfassend betrachtet ergibt sich ein hochgradig positives Bild.
Vorteile von Autogas Systemen:
PREISWERT in der ANSCHAFFUNG (Im Vergleich zu Diesel oder zur Erdgasumrüstung)
PREISWERT in der Versicherung (Im Vergleich zum Diesel)
PREISWERT in der STEUER (nämlich steuerbefreit für 3 Jahre)
PREISWEEEEEERRRRRTTTTT im Spritverbrauch (billiger geht's nicht)
UMWELTSCHONEND (kaum Schadstoffe und ehe das LPG ohne Sinn verfackelt wird, verfahr' ich's lieber)
SUPER RUHIG in Fahrleistung und Motorlauf
HOHER SPASSFAKTOR (weil jedes Tanken ein Grinsen hervorruft)
ALLERHÖCHSTER SPASSFAKTOR (weil Autofahren wieder Spass macht wie vor 20 Jahren noch)
Nachteile gibt es auch:
Fährt man in Deutschland weiter weg, sollte man vorher überlegen, wo die nächste LPG Tanke liegt. Hierzu gibt es im Netz allerdings sehr gute Übersichtsdatenbanken (http://www.dvfg.de/autogas/frames/tanken/ueber.htm oderwww.gas-tankstellen.de
Andere Kraftstoffe haben natürlich auch ihre Berechtigung. Diesel ist für Vielfahrer nach wie vor interessant (wenn auch aus Umweltgesichtspunkten bedenklich), Erdgas (CNG) kann in Ausnahmefällen in Deutschland interessant sein, wenn man die Förderung mit einrechnet und keine weiten Strecken oder ins Ausland fahren muss. Super/Benzin ist für Wenigfahrer nach wie vor sinnvoll. Andere alternative Energieformen (z.B. Wasserstoff) sind noch nicht wirklich ausgereift, werden aber sicherlich noch aufholen.
Ich kann das Umüsten eines Fahrzeugs mit Autogas jedem ans Herz legen, der seine Spritkosten deutlich senken will ohne dabei auf Leistung, Komfort und Laufruhe seines Fahrzeugs zu verzichten. Die Investition in die Umrüstung hat sich je nach Fahrleistung und Gaspreis schnell amortisiert.
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